Hintergrund

Mitten in Deutschland gibt es Orte, Dörfer und Kleinstädte, da ist es schon wieder so wie damals in der Nazizeit. Da herrscht Ruhe. Keiner sagt was, wenn ein Jugendtreff abgefackelt wird, wenn Leute bedroht werden. Angst und heimliche Zustimmung. Keine Jagd auf Ausländer oder linke, denn sowas gibt es hier nicht mehr. "National befreite Zonen" nennen es die Typen, die hier das Sagen haben, und es sind keine bekloppten Jugendlichen. Sie haben NPD-Aufkleber auf ihren ziemlich dicken Autos, im Nummernschild zweimal die 8. Der achte Buchstabe im Alphabet ist das H, zweimal H heißt: "Heil Hitler".

"Wir Musiker können nicht stillhalten ...
Die Leute in Leipzig und anderswo sind doch nicht auf die Strasse gegangen für friedliche Revolution und Freiheit, um sich jetzt dafür diesen ganzen Nazi-Schrott einzuhandeln. Brennende Synagogen, totgeprügelte Afrikaner. Jeder, der anders ist, ist ein Feind. Und auch Du kannst morgen schon dran sein. Schluss damit ! ... Fremde werden Freunde. Rock gegen rechte Gewalt. Dafür stehen wir heute auf der Bühne ! Und Ihr, liebe Leute, jeder ist aufgefordert, jeder kann mit seinem Mut ´ne ganze Menge bewegen. Und zusammen ziehen wir das jetzt durch !"
Aus dem Appell der Künstler gegen rechte Gewalt in Deutschland, mit dem Udo Lindenberg die ZDF-Show "Fremde werden Freunde" zum Ende der EXPO 2000 in Hannover eröffnet hat.

Nahezu täglich führen rechtsextremistische Tendenzen und Ausländerhass zu brutal-gewalttätigen Übergriffen mit schwersten Körperverletzungen oder Todesopfern. Deshalb müssen deutliche Zeichen gesetzt werden. Auf Initiative von Udo Lindenberg, dem stern und der Volkswagen Sound Foundation, werden namhafte Künstler und Bands maßgeblich und nachhaltig Flagge zeigen, um diesem unerträglichen Spuk Einhalt zu gebieten. Ziel ist ein deutlicher Schulterschluss zwischen Politikern auf nationaler und regionaler Ebene und Leitfiguren aus den Bereichen Kunst, Musik, Wissenschaft, Theater und Film. Aktivitäten von Jugendorganisationen, Hochschulen mit ihren Studentenschaften oder Arbeitnehmern in den Betrieben müssen initiiert und gefördert werden. Kurz: Jeder verantwortungsbewusste Bürger an seinem Platz ist aufgefordert, sich mit Mut, Entschlossenheit und Kraft auf Grundlage unserer freiheitlich-demokratischen Gesellschaftsordnung zu engagieren. Das kann man nicht allein der Politik überlassen Ethik und Toleranz sind das Gebot der Stunde und der Zukunft.
Einem Manifest von Udo Lindenberg folgend, das inzwischen zahlreiche Künstler und Personen des öffentlichen Lebens unterschrieben haben, werden zwischen dem 4. Februar 2001 und dem 10. Februar 2001 namhafte Künstler und Bands durch die gesamte Republik ziehen, begleitet von renommierten Sponsoren aus der Wirtschaft und gewichtigen Medienpartnern. Im Rahmenprogramm werden Vor-Ort-Initiativen vorgestellt, die regional bereits gegen rechte Gewalt eintreten. An den "Day-offs" finden Gespräche vor Ort, auch mit rechten Jugendlichen statt. Udo Lindenberg und seine Freunde werden weiterhin mit Familien der Opfer rechtsextremer Übergriffe sprechen, Vertreter der jüdischen Gemeinden in Deutschland treffen (z.Bsp. Paul Spiegel, Michel Friedmann, Manfred Lahnstein) und Ziele widerlicher Anschläge und Schändungen besuchen. Darüber hinaus werden Gremien gebildet und Initiativen unterstützt, die weitere Maßnahmen zur Eingrenzung und Beendigung rechtsextremistischer Aktivitäten auf allen Ebenen etablieren sollen.
Durch Gagenverzicht der Musiker, Eintrittsgelder, Spenden, sowie durch das Engagement der Sponsoren Deutsche Telekom Volkswagen Gruner + Jahr werden Gelder für die stern-Aktion EXIT und die Amadeu Antonio Stiftung bereitgestellt. Sie werden zur konkreten Hilfe für die Opfer, sowie für die Arbeit geeigneter Institutionen, die sich um Aufklärungsmaßnahmen oder um Ausstiegsmöglichkeiten für rechte Jugendliche bemühen, verwendet.

Zielsetzung aller Maßnahmen ist eine Bewusstseinsbildung für ein friedliches Miteinander aller Rassen und Religionen auf der Grundlage gegenseitigen Verständnisses in Toleranz und Achtung vor der Würde des Menschen.

Quelle: http://www.udo-lindenberg.de

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