Rechtsextreme drohen Lindenberg mit dem Tod

Der Rocksänger will jetzt erst recht bei dem Konzert „Rock gegen rechte Gewalt“ auftreten

Bekommt in Dresden Morddrohungen per Fax und Telefon: Udo Lindenberg
Foto: Reimann
Von Anna Warnholtz

Dresden — Morddrohungen gegen „Panik-Rocker“ Udo Lindenberg. In Dresden, wo er das erste Konzert einer Viererserie gegen Ultra-Rechts machen wollte, erreichten ihn Faxe und Telefonanrufe mit ganz konkreten Morddrohen: „Du lebst nicht mehr lange“. Die Polizei nimmt die Drohungen ernst, hat sofort Polizeischutz bereitgestellt.

Lindenberg hat im Artôtel Dresden Quartier bezogen, mit ihm seine Begleitband „Das Panikorchester“, Xavier Naidoo und „Die Söhne Mannheims“ sowie weitere Musikgruppen, die am Sonntag mit ihm gemeinsam das Programm bestreiten sollen. Für Lindenberg sind die Drohungen weit mehr als die üblichen Einschüchterungsversuche. In einem Gespräch mit der WELT sagt er: „Ich habe Angst, werde aber in jedem Fall auftreten. Wir lassen uns von dieser Szene in unseren Bemühungen nicht stoppen.“

Das vorgesehene Programm, Opfer von rechtsradikalen Verbrechen zu besuchen, will der „Panik-Rocker“ ebenfalls nach Plan absolvieren. Neben seinen vier Bodyguards, die ihn auf Schritt und Tritt begleiten, hat die Polizei zusätzlich eine Mannschaft zusammengestellt, die ihn absichert.

Die Attacken gegen Lindenberg steigerten sich. Wurden ihm anfangs Hasspamphlete ins Hotel gefaxt, gab es gestern Nachmittag ganz massive Drohungen: „Wir kriegen Dich, Dein Leben ist nichts mehr wert“.

Total geschockt ist Lindenbergs Manager David Rienau: „So extreme Drohungen habe ich noch nicht erlebt. Natürlich haben wir Widerstand erwartet, aber das hier zeigt, wie gewalttätig diese Szene ist.“

Außer Dresden stehen die Städte Hamburg (6. Februar), Rostock (8. Februar) und Berlin (10. Februar) auf dem Programm. Bei dieser Konzertreihe treten die Künstler, darunter auch Peter Maffay, Ben Becker und Nena, alle ohne Gage auf. Eine Hälfte der Einnahmen kommt Initiativen zur Opferhilfe zugute. Der andere Teil wird für die Arbeit von Institutionen eingesetzt, die sich um Aufklärungsmaßnahmen oder um Ausstiegsmöglichkeiten für rechte Jugendliche bemühen.

Quelle: Die Welt vom 3.2.2001
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