Udo Lindenberg im Portrait

Udo Lindenberg liebt Weimar, Bratwurst und Klassik. Wie konnte es so weit kommen? Hier die Stationen auf dem Weg zur lebenden Rocklegende, die auch in der Kulturstadt aus dem Koffer lebt.
Alles begann unspektakulär: Am 17. Mai 1946 wurde er in Gronau/Westfalen geboren. Sein Vater Gustav war Klempner, seine Mutter Hermine half mit im Geschäft. Lindenberg hielt viel vom Trommeln. Papa schenkte ihm ein Schlagzeug. Die ersten Versuche machte Lindenberg in der "Border Town Jazzband". Schon als 12jähriger Schlagzeuger bekam er beim norddeutschen Jazz Jamboree den Preis als bester Dixie Drummer. Ein Klassenkamerad meinte, Udo sei stets bemüht gewesen, es den Erwachsenen gleich zu tun: Kegeln, Biertrinken, Zigaretten rauchen. Kurz gesagt: Vereinsmeiern. Nach der Schule machte er eine Kellner-Lehre in Düsseldorf.

Dann aber folgte doch keine biedere, sondern eine lange zehrende Phase: Mit einer wild zusammengewürfelten Band aus Düsseldorf flog Lindenberg zur Truppenbetreuung der US-Luftwaffe nach Libyen. Einige Monate später kam er völlig zerrüttet wieder in Gronau an. Nach seiner vorzeitig abgebrochenen Bundeswehrzeit spielte er ab 1968 in Hamburg u.a. bei Knut Kiesewetter. Im Sommer 1969 nahm er seine erste LP auf. 1973 wurde "Andrea Doria" mit über 100 000 verkauften Platten ein beispielloser Erfolg.

Mit seinem "Panikorchester" startete er nun voll durch: "Ball pompös", "Rudi Ratlos", 1974 zur Single des Jahres gewählt, "Sister King Kong"... Die 79er Bühnenshow, eine der aufwendigsten aller Zeiten, ließ er von keinem geringeren als Peter Zadek ("Gesäubert") inszenieren. 1981 schaltete der Bayerische Rundfunk während der Fernsehübertragung zur LP "Udopia" den Sender ab. Nach dem Auftritt im "Palast der Republik" folgen 1985 und 1987 Tourneen durch die Sowjetunion. Das Bundesverdienstkreuz, das er im November 1989 erhielt, gab er "als Wanderpokal" an seine Kumpels auf St. Pauli weiter. 1996 stellte er in Hamburg erstmals seine Bilder aus. Es folgte die Inbesitznahme der "Elephanten-Suite" in Weimar.

Im Nobel-Hotel am Markt widmete er am 29. November 1998 die anrüchige Hitler-Suite durch Einzug um. Er dekorierte den Raum mit seinen Original-Likörellen. Zu sehen ist auch die Schalmei, die ihm Honecker 1987 anläßlich einer Begegnung in Wuppertal geschenkt hatte. Der Partei- und Staatschef wußte wohl seit dem legendären Auftritt im "Palast der Republik" 1983, wer Lindenberg war. Wahrscheinlich kam die erhoffte DDR-Tournee deshalb nicht zustande. Lindenberg schmachtete erst später "Mädchen aus Ostberlin". 1999 taucht Lindenberg besonders oft in Europas Kulturstadt auf. Zum großen Goethe-Happening am 28. August trat er gemeinsam mit dem Sonderbegabten Helge Schneider auf. Er sang kurz "Cello", wie ein paar Stunden zuvor bereits im Schlosshof anläßlich seiner Likörelle-Vernissage in den Kunstsammlungen.


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