Lindenbergs Likörell-Karriere

Die schlechte Nachricht zuerst: Ein Sänger malt (und stellt aus): Udo als Redner im Bundestag, Udo als Barmixer, Udo als Frauenheld, Elli Pirelli und Rudi Ratlos. Dazu Frauen und Gläser, Brüste und Barmixer. Darüber 4 cl Blue Curacao oder 2 cl Campari. Die gute Nachricht: Der Sänger malt nur zur Entspannung.

Künstler sind bekanntlich immer auf der Suche nach neuen Techniken. Wie aber kam Udo auf die Schnapsidee? Das erste Likörell entstand in einer verräucherten Bar auf dem Kiez. In einer Nacht, als die Liköre nichts mehr auf dem Tresen hielt. Papier lag zufällig daneben, als die Flaschen kippten. Durch eine unkontrollierte Bewegung des Lindenbergschen Ellenbogens ergoss sich CuraçaoTürkis übers Blatt. Udo verteilte es gedankenverloren so mit den Fingern, dass es irgendwie nett aussah. Seitdem malt er an Bars. Die Barkeeper der Welt wissen inzwischen, was Udo braucht. Bunte Liköre. Kirsch für´s Gesicht. Eierlikör für die Blondine. Jägermeister für die Brünette. Vor allem der Geruch der Lindenbergschen Werke ist berauschend.

Seine Arbeiten waren von Anfang an ein Knüller. Einer Ausstellung im Hamburger Erotic Art Museum folgte gleich die Präsentation in der Dresdner Kunsthalle. Galerien verlangen bereits bis zu 13.000 Mark für eins der angeheiterten Blätter. Auch ernstzunehmende Museen bieten inzwischen mit. Lindenbergs Bilder werden derweil immer großformatiger und seine Werkreihen wie "Arsch- und Tittengesichter" sind beileibe nicht kleinkariert. Die Kunstsammlungen zu Weimar, immerhin Herberge für Cranach und russische Ikonen, zeigten sich ebenfalls beeindruckt. Lindenberg wird ausgestellt als "ironisch-kritischer Interpret der Zeitgeschichte."

Auf einer Pressekonferenz in Weimar sah das eine Journalistin offenbar ganz anders. Sie fragte knallhart:"Wie ist der Unterschied zwischen Spaßfaktor und ...Scharlatanerie". Udo schlagfertig: "Ich weiß auch nicht so genau, es malt einfach so durch mich hindurch!" Die Journalistin lachte hochbarock.


[Zurück]     © 2000 by Thomas Sohn, erstellt am 9.11.2000